INSTITUTSPROFIL

Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt

Das Fachgebiet Geschichte und Theorie der Stadt konzentriert sich in der Lehre auf die Epoche der Moderne zwischen Aufklärung und Gegenwart. Unsere Vermittlung historischer Kenntnisse im Bereich der Architektur- und Stadtentwicklung legt auf die Verknüpfung des positiven Wissens mit den soziokulturellen Aspekten der Architekturproduktion und -rezeption besonderen Wert. Dabei werden methodisch kunsthistorische, kulturwissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche Erklärungsmodelle vermittelt, damit das Gebaute nicht nur in seinem Objektcharakter, sondern im Kontext seiner historischen, gesellschaftlichen und ästhetischen Bedeutungen verstanden werden kann. Ansätze dieser Art kommen ebenso in der Vermittlung der Architekturtheorie wie in der Theorie der Stadt zum Tragen, die die Urbanisierungsprozesse in ihren materiellen und sozialpolitischen Komponenten behandelt.

Das Fachgebiet bietet neben dieser curricularen Wissensvermittlung weiterführende Lehrveranstaltungen in den Fächern Kunstgeschichte (moderne und zeitgenössische Kunst) und Architekturkritik an, die durch Lehraufträge abgedeckt werden. Im Rahmen unserer Lehrveranstaltungen kooperieren wir mit anderen Instituten des Fachbereiches Architektur der TU Braunschweig und der HBK Braunschweig sowie mit weiteren Forschungsinstitutionen im In- und Ausland. Dabei steht ein transdisziplinärer Ansatz im Vordergrund, der die Architektur und Urbanisierungsgeschichte mit Themen der bildenden Künste, dem Film oder auch den Naturwissenschaften verknüpft. Ergänzend zu den Vorlesungen und Seminaren bieten wir vertiefende Übungen in Tutorien, sowie Exkursionen und Vorträge an.

Auch unsere Forschungsprojekte sind von der Erkenntnis geleitet, dass sich im gebauten Raum mentalitätsprägende Strukturen von Gesellschaften zu erkennen geben. Neben Forschungsthemen, mit denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachgebietes weiterqualifizierend befassen, hat sich in den letzten Jahren ein gemeinsamer Forschungsschwerpunkt für die Jahre des so genannten Wiederaufbaus der Bundesrepublik Deutschland ergeben, der neben biographiegeschichtlichen Aspekten in der Architektur- und Städtebauentwicklung zudem Fragestellungen nach Identitätsbildungen, etc. verfolgt.

Das von der Fritz-Thyssen-Stiftung, der Deutschen Bank und weiteren Sponsoren geförderte Projekt Gesetz und Freiheit. Der Architekt und Lehrer Friedrich Wilhelm Kraemer (1907-1990) präsentierte diesen Ansatz in einer gleichnamigen Ausstellung (siehe Ausstellungs-Kapitel), die zwischen 2007 und 2009 nacheinander in Braunschweig, Berlin, Düsseldorf und Hannover zu sehen gewesen ist. Auch das Forschungsprojekt  "Moderne und Traditionen in der Architektur der 'Braunschweiger Schule'(1946-1973)" widmet sich dieser Periode und ihrer ästhetischen Produktion und verfolgt damit die im Kraemer-Projekt angelegten Fragestellungen weiter. Neben diesen monografisch angelegten Untersuchungen widmet sich das jüngst angelaufene, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprojekt dem internationalen Austausch in der Landesentwicklungs- und Strukturplanung zwischen Israel und der BRD nach 1948. (Edgar Salin und das Israelprojekt der List-Gesellschaft: Städtebau(theorie) und Raumplanung der 50er und 60er Jahre als 'Nation Building') Ein zentrales Anliegen unseres Fachgebietes ist schließlich die Weiterqualifizierung in der Postgraduate-Ausbildung. Im Rahmen des Doktorandenkolloquiums (Prof. Dr. Karin Wilhelm) erhalten Doktoranden und NachwuchswissenschaftlerInnen die Möglichkeit, ihre  Forschungsthemen und -methoden vorzustellen und zu diskutierten. Darüber hinaus werden gemeinsam Grundlagentexte erarbeitet, die das kulturwissenschaftliche und architekturtheoretische Wissen vertiefen sollen. Die MitarbeiterInnen und DoktorandInnen des Fachgebietes gtas sind zudem Teil eines internationalen Promotionskollegs zur Architekturtheorie, in dem sich ProfessorInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien zusammengefunden haben. Die gemeinsamen Veranstaltungen werden von den beteiligten Universitäten ausgerichtet. Treffen dieser Art haben inzwischen in Berlin und Wien stattgefunden.  

Im Juli 2008 gründeten wir eine Sammlung für Architektur und Ingenieurbau der TU Braunschweig, die wertvolles Archivmaterial (Pläne, Zeichnungen, Fotografien, Lehrmaterial) von in Braunschweig ausgebildeten und tätigen Architekten sichert und für die wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich macht. Hierbei steht zunächst die Zeit zwischen 1945 und etwa 1970 im Vordergrund, der Zeit des größten Einflusses der "Braunschweiger Schule" auf das architektonische Schaffen der Bundesrepublik.