Auto

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist eng mit der Geschichte des Autos verwoben. Dies manifestiert sich in einer autogerechten und autoinspirierten Bau- und Stadtbaukunst, die auch in den Diplomarbeiten der Architekturabteilung auf vielfältige Weise abzulesen ist. So verweisen eine Fülle an Abschlussarbeiten insbesondere der Fünfzigerjahre auf die Faszination Auto: Hans Ehlers (1950), Bruno Jalaß (1953) und Ulrich Hausmann (1958) geben mal mit leichter, mal mit ernster Feder ein Bild davon, wie das Versprechen motorisierter Wirtschaftswunderjahre in den Architekturentwurf seinen Einzug fand (Aufbruch).

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Bruno Jalaß, Stadtbad Mitte Frankfurt / Main, 1953, Prof. Kraemer, Perspektive 

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Ulrich Hausmann, Entwurf für eine Sporthalle, 1958, Prof. Kraemer, Ansichten (mit Ausschnitt) 

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Walter Ehlers, Entwurf für ein Einkaufszentrum, 1962, Prof. Oesterlen, Schnitt (mit Ausschnitt) 

Ein Zeichen der Versöhnung deutscher und amerikanischer Träume von Automobilität findet sich in Walter Flecks Entwurf eines variablen Motel Typs für die deutschen Autobahnen von 1954. Park- und Schlafplatz verschmelzen hier zur architektonischen Einheit mit maximal einem Treppenlauf zwischen Auto und Bett.

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Walter Fleck, Variabler Motel-Typ für die deutschen Autobahnen, 1954, Prof. Kraemer, Unterkünfte 

Eine entsprechende Leitidee findet sich auch bei Meinhard von Gerkans Fluggast-Abfertigungsgebäude in Hannover-Langenhagen von 1964. Der Autor erprobt hier zum ersten mal das von der Lufthansa propagierte Konzept eines "Drive-in Airports", welches nur kurze Zeit später im Wettbewerb um Berlin-Tegel erfolgreich weiterentwickelt werden sollte. Schon in seinem Diplom verlegt von Gerkan Zufahrt und Parkplätze ins Innere des Komplexes bis nah an die Flugsteige (Flughafen).

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Meinhard von Gerkan, Fluggast-Abfertigungsgebäude in Hannover Langenhagen, 1964, Prof. Oesterlen, Modell 

In den städtebaulichen Arbeiten der Sechziger- und Siebzigerjahre wird sodann der Verkehr zum zentralen Objekt der Planung. Ernst-Detlef Kohls 1965 verfasste Analyse von Anbindungsvarianten auf der einen, Cord Heinrich Bahlburgs Immissionsschutz-Plan von 1972 auf der anderen Seite, beschreiben nicht nur die massenhafte Zunahme der Motorisierung in der BRD sondern auch die sich herausbildenden Konfliktlinien bezüglich ihrer Bewertung.

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Ernst-Detlef Kohl, Wohngebiet Münster Gievenbeck, 1965, Prof. Jensen, Strukturuntersuchung Verkehrsvorschlag M (Ausschnitt) 

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Ernst-Detlef Kohl, Wohngebiet Münster Gievenbeck, 1965, Prof. Jensen, Analyse der erarbeiteten Varianten für die Verkehrsanbindung (Ausschnitt) 

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Cord-Heinrich Bahlburg, Bremen-Oslebshausen. Vorschlag für den Ausbau einer innerstädtischen Entwicklungsachse, 1972, Prof. Bruckmann, Verkehrsplanung (Ausschnitt) 

Dramatisch kommt das Auto bei Wolf Geipel (1972) und Rolf Toyka (1978) zum Auftritt - und beweist so den Humor der Braunschweiger Diplomanden und Diplomandinnen. Anstelle einer expliziten Entwurfshaltung, die sich für oder gegen das Auto ausspricht (Eutopos), kommt es stattdessen zum Unfall. Genau im Moment der Abgabezeichnung wird vor der neuen Film- und Fernsehakademie Hamburg ein Wagen von einer der letzten Straßenbahnen der Hansestadt erfasst. In Stuttgart wiederum werden bei laufender Entwurfspräsentation die beiden Unfallwagen aus dem Einfahrtsbereich der Tiefgarage des neuen Goethe-Instituts geborgen und stillschweigend am unteren Blattrand abgeschleppt.

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Wolf Geipel, Film- und Fernsehakademie Hamburg, 1972, Prof. Lehmbruck, Grundriss Erdgeschoss (Ausschnitt) 

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Rolf Toyka, Goethe-Institut an der Weißenhofsiedlung, 1978, Prof. Ostertag, Grundriss Ebene +12m (Ausschnitt) 

In den Entwürfen von 1973 für ein Ausbildungszentrum in Rhode schließlich macht sich der Einfluss von Europas größtem Autowerk bemerkbar: schon ein Jahr vor der Produktionsaufgabe des VW Käfers erklärt ihn Wilfried Dechau zum Objekt der Kunst. Gylfi Guðjónsson hingegen verweist mit seinem Nordpfeil auf den ökonomischen Mittelpunkt der Region, während die Bauaufgabe selbst den bevorstehenden Strukturwandel thematisiert (Industrie). Dass auch sonst in 70 Jahren Diplom an Parkplätzen und Tiefgaragen kein Mangel herrscht sei hier nur am Rande erwähnt.

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Wilfried Dechau, Ausbildungszentrum Rhode, 1973, Prof. Kraemer, Schnitt Eingangshalle (Ausschnitt) 

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Gylfi Guðjónsson, Ausbildungszentrum Rhode, 1973, Prof. Kraemer, Schnitt und Grundriss Untergeschoss 

Autor: Christian v. Wissel


Weiterführend:

Seehausen, Frank: Zur Rhetorik einer mobilen Moderne. Die architektonische und visuelle Inszenierung der Stadt durch Autobahnen und Hochstraßen in der Nachkriegsmoderne, in: Röhnert, Jan Volker (Hg.): Die Metaphorik der Autobahn. Literatur, Kunst, Film und Architektur nach 1945, Köln 2014, S. 35-76.

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