Europa

Mit der Erfahrung zweier in der Mitte Europas entfachter Weltkriege steht das Streben nach einem friedlichen Miteinander der europäischen Völker noch heute an besonderer Stelle der politischen Orientierung der Bundesrepublik. Themen der europäischen Integration waren somit auch im Braunschweiger Architekturstudium immer bedeutend. Insbesondere mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" und der schrittweisen Osterweiterung der Europäischen Union wird die bauliche Ausformulierung des Einigungsprozesses immer wieder zur Aufgabe der Absolventinnen und Absolventen. Veranstaltungs- und Kulturgebäude in Riga (Andreas Symietz und Thomas Willemeit, 1997), Krakau (Oxana Krause, 2003) und Zagreb (Alexander Butz, 2007) sprechen von der wachsenden Strahlkraft osteuropäischer Städte und ihrer Bürgergesellschaften für den Braunschweiger Architekturbetrieb.

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Oxana Krause, Magiczny Plac - Stadthaus Krakau, 2003, Prof. Szyszkowitz, Schnitte Klangsaal und kleines Theater 

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Alexander Butz, FilmKultur Forum Zagreb, 2007, Prof. Szyszkowitz, Modell 

Mit der Berufung Professor Szyszkowitz' erfuhr der Blick nach Osten 1998 zusätzliches Gewicht: der in Österreich praktizierende Architekt mischte nicht nur gestalterisch auf, was in Zuschreibungen früherer Jahrzehnte gerne als Braunschweiger Schule stilisiert wurde (Riegel Block), sondern vertrat nachdrücklich auch die Erweiterung des Kreises der Städte, an denen Braunschweiger Architekturstudierende nun ihr Können zeigen konnten. 2005 versucht Tim Unnebrink in einem damals als Selbstverständlichkeit empfundenen Europa ganz bewusst alte Feindschaften baulich zu überwinden. Mit seiner Living Bridge: Kulturbrücke in Görlitz/Zgorzelec deutet er den deutsch-polnischen Grenzfluss zu einem gemeinsamen Identitätsraum um. In der kompositorischen Ausbildung des Begegnungszentrums meint man die Konfrontationen und Brüche der Geschichte lesen zu können, die nun als "Nahtstellen" den Zusammenhalt thematisieren und stärken (Unnebrink).

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Tim Unnebrink, Living Bridge: Kulturbrücke in Görlitz/Zgorzelec, 2005, Prof. Wagner, Lageplan 

Ein Weg nach Europa liegt auch in der architektonischen Ausformulierung gemeinschaftlicher Institutionen. Julius Klaffkes 2000 entworfene Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main strebt danach, dem Euro, der im Vorjahr zunächst als Buchgeld eingeführt worden war, ein in den Medien kommunizierbares Gesicht zu geben. Auch Martin Tamkes Entwurf einer Europäischen Börse (Going Public Neue Börse Strasbourg, 2002) widmet sich der neuen Realität eines pan-europäischen Kapitalmarktes. In den Formen aber meint man einen Kommentar zur Erfahrung seiner Virtualisierung zu erkennen (Global).

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Martin Tamke, Going Public. Neue Börse Strasbourg, 2002, Prof. Szyszkowitz, Abgabeblatt mit Perspektive 

Fragilität und Vertiefung Europas liegen heute dichter zusammen als noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten (Master). Bauten wie Simona Schröders Kultur.Raum. The Amsterdam Centre for Cultural Heritage and Identity von 2016 erlangen in diesem Licht besonderes Gewicht, wenn es darum geht, das Verhältnis von lokaler, nationaler und europäischer Identität auch baulich auf seine Zukunft zu befragen.

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Simona Schröder, Kultur.Raum. The Amsterdam Centre for Cultural Heritage and Identity, 2016, Prof. Karch, Schnitt 

Autor: Christian v. Wissel

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