Kaufhaus Futurologies

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Galeria Kaufhof Braunschweig hat in den vergangenen Tagen ihre Pforten geschlossen. In den kommenden Monaten droht vielen weiteren Kaufhäusern das gleiche Schicksal. Um die Gründe für die Schließungen – ein globales, aber situiertes Phänomen – zu entschlüsseln und sich andere Modelle der Versorgung und des Zusammenlebens in den Innenstädten vorzustellen, befragen wir ein transdisziplinäres Expert/innenpanel. Einige Interviewpartner/innen beschäftigen sich beruflich mit Einkaufszentren: als Arbeitsplatz, als architektonischer Typus, als Ort der Träume und Hoffnungen, als Tempel des Konsumverhaltens und Knotenpunkt kapitalistischer Warenökonomie, aber auch als ein (Versorgungs-)Gut, das politisch anerkannt und unterstützt werden muss. Andere denken, entwerfen und erleben alternative Zukunftsperspektiven für Städte, neue Modelle der Zusammenarbeit, die Neuerfindung von Gebäuden, Wirtschaftsmodellen, Gemeinschaften, die integrativer, solidarischer und ökologisch nachhaltiger sein könnten. Diese nicht erschöpfende Sammlung von Gesprächen zielt darauf ab, kritische Spekulationen über mögliche Zukünfte für dieses Kaufhaus und andere Kaufhäuser anzuregen, beginnend mit ihrer Vergangenheit.

Vera Simone Bader

Vera Simone Bader ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Architekturmuseum der TU München und hat 2016 die Ausstellung “World of Malls. Architekturen des Konsums” ko-kuratiert und anschließend eine Publikation über die Transformationsprozesse des Einkaufszentrums vom 20. ins 21. Jahrhundert mit Andres Lepik herausgegeben.

Ingmar Behrens

Kommunikationsberater, Bevollmächtigter des Vorstands und Pressesprecher des German Council of Shopping Centers, einem bundesweiten Verband, der die Interessen der Handelsimmobilienakteure in Deutschland vertritt.

Dr. Jens Beutmann

Stellvertretender Direktor und Leiter der Abteilung Ausstellungen am Staatlichenn Museum für Archäologie Chemnitz. Seit 2013 befindet sich das Museum im ehemaligen Kaufhaus Schocken, einem von Erich Mendelsohn 1927 konzipierten Warenhaus in der Chemnitzer Innenstadt. Das Museum fördert das gesellschaftliche Verständnis kultureller Vielfalt, indem es Schnittmengen zwischen archäologischem Wissen und zeitgenössischen kulturellen Praktiken sichtbar macht.

Tristan Boniver

Architekt und Mitglied der Designpraxis Rotor (Brüssel). Die Mitglieder von Rotor sehen ihre Auseinandersetzung mit Materialien als eine Möglichkeit, mit der Welt anders zu interagieren. Sie beschreiben diese Interaktion in Projekten, Publikationen, Lehre und Ausstellungen. 2018 erhielt Rotor den Schelling Architekturpreis.

Katja Eichinger

Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. über Mode, Shopping und Malls, z.B. in ihrem kürzlich erschienenen Essayband "Mode und andere Neurosen" (Blumenbar Verlag, Berlin, 2020), in einer Publikation die im Anschluss an die Ausstellung "World of Malls" erschien, in der sie auch eine Fotoserie mit dem Titel “For your safety" (2016) präsentierte, oder im Interview mit Rem Koolhaas über die Renovierung des KaDeWe in Berlin für Vogue Deutschland (ebenfalls 2016).

Jana Gebauer

Wirtschaftswissenschaftlerin und Aktivistin, beschäftigt sich mit Fragen der sozialen, ökologischen, solidarischen und emanzipatorischen Transformation. Ihre Arbeitsfelder sind Degrowth/Post Growth, alternative ökonomische Ansätze, Transformationen und Utopien.

In ihrem Interview bezieht sich Jana auf die spekulative Zeitungsbeilage "Morgen Zeitung", die am 22. November 2019 in der taz erschienen ist.

https://www.fairbindung.org/wp-content/uploads/ID_Fairbindung_Zeitung-Degrowth-Lokay-DRUCK-compressed.pdf

Olivia Golde

Schriftstellerin und Autorin von "Karstadt Waren Wir. Chronik einer angekündigten Leerstelle” (Trottoir Noir, Leipzig, 2020). In den letzten Wochen seines Bestehens, besuchte Olivia häufig das Warenhaus Karstadt in Leipzig und schrieb ein Buch über das Haus, das eine Ode an die Frauen ist, die dort arbeiteten.

Andrea Hofmann und Frauke Gerstenberg

Architektinnen (raumlaborberlin) und Mitbegründerinnen der Initiative „Haus der Statistik“ – ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen institutionellen und zivilgesellschaftlichen Partner/innen, um eine Alternative zur Immobilienspekulation in einem leerstehenden Gebäudekomplex der ehemaligen DDR im Zentrum Berlins zu schaffen.

Dr. Saskia Hebert

Architektin und Mitbegründerin mit Matthias Lohmann des Büros Subsolar* Architektur und Stadtforschung in Berlin. 2015-2020 war sie Professorin des Master-Studiengangs »Transformation Design« an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. In Lehre, Forschung und Praxis beschäftigt sie sich mit der Frage ob und wie sich Zukunft gestalten lässt.

Bibliographie des Gesprächs

Bloch, Ernst: „Experimentum Mundi. Frage, Kategorien des Herausbringens, Praxis“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1985, S 90

„In unechter Zukunft warten das regelmäßige Schlafzimmer, heute nacht, jede sich morgens wiederholende Verrichtung, auch Anfang und Niedergang der Sonne und dergleichen mehr. In echter Zukunft liegt dagegen alles Neue kraft Veränderung, als das noch nicht Erschienene, freilich Erscheinungsmögliche, das heißt in der Tendenz Angelegte.“

Ostrom, Elinor: „Governing the Commons. The evolution of institutions for collective action“, Cambridge University Press, Cambridge, 1990

Kosow, Hannah/Gaßner, Robert: „Methoden der Zukunfts- und Szenarioanalyse. Überblick, Bewertung und Auswahlkriterien, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung“, Werkstattbericht Nr. 103, Berlin, September 2008 https://www.izt.de/fileadmin/d...

Kaufhaus Futurologies ist kuratiert von Licia Soldavini
Videobearbeitung Albert Papenhausen Fuster