Theorien des Unordentlichen

Tatjana Schneider 

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„We must not overlook the fact that dealing with planning means dealing with collective processes of decision-making“, notierte der Schweizer Soziologe und Planungstheoretiker Lucius Burckhardt in einem Text, überschrieben mit den Worten ‚Who plans the planning?’ (Burckhardt 1974: 90). Worauf Burckhardts immer noch so aktueller Text verweist, ist die Tatsache, dass Planung kein einfaches Unterfangen ist und auch kein unkontroverses.

Trotzdem – trotz unausweichlicher, häufig unvereinbarer, Konflikte zwischen technokratischen und mensch-zentrierten, ökonomischen sowie sozio-kulturellen und ökologischen Interessen – scheinen heutige Planungsverfahren und Diskussionen ob der Produktion von Stadt und Architektur vermehrt auf Konsensfindung zwischen unterschiedlichsten Parteien ausgerichtet zu werden: Ziel ist es immer „to get everyone on board“. Konsens wird als primäres, als einziges Ziel erklärt. Doch das ist, oft, sowohl auf planerischer wie auch auf gesellschaftspolitischer Ebene eine Sackgasse. Planung kann nicht nur eine Art von Produktion sein, die einzig darauf ausgelegt ist, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Stattdessen, so die Hypothese dieses sich im Etablieren befindlichen Forschungsinteresses, gilt es, Methoden, Mittel und Wege zu etablieren, die Kontroversen zulassen, Unterschiedlichkeiten herausarbeiten, andere Öffentlichkeiten und Zugänglichkeiten aufstellen sowie Möglichkeiten offenhalten. Divergente Positionen, so wird hier postuliert, müssen kontinuierlich ausgetragen werden können, um Schließung, Abschottung und zu große Ordnung – den, frei nach Jane Jacobs, Tod aller Städte – kategorisch zu verhindern.