Junge Menschen kommt ans Bauhaus! Bauhauspädagogik, Bauhausarchitektur und gesellschaftlicher Auftrag

Seminar

WS 2018/19 (Master M1/2, Bachelor A3)
Dorothée Brill

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"Diese nur zeichnende und malende Welt der Musterzeichner und Kunstgewerbler muß endlich wieder eine bauende werden." So formuliert Walter Gropius 1919 seinen Anspruch an die Kunst und das Ziel, das er mit der Ausbildung am Bauhaus verfolgt. Ihren Kern bildet ein spartenübergreifendes Verständnis künstlerisch-gestalterischer Tätigkeit und deren Rückbindung an ein handwerkliches und materialfokussiertes Wissen. "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit" ist für Gropius "der Bau". Schon der Arbeitsrat für Kunst, zu dessen Leitung er gehörte, versammelte in seinem Gründungsmanifest 1918 alle Künste "unter den Flügeln einer großen Baukunst". Hier wie dort ist die Absage an die autonomen "Schönen Künste" verbunden mit der Mitwirkung an einer nicht-elitären und – so würde man heute sagen – inklusiven Gesellschaft. Gelungene Gestaltung ist daher immer auch ökonomisch, also eine, die mit den Ressourcen von Geld, aber auch von Raum, Zeit und Material maßhält. Für Gropius liegt "ethische Notwendigkeit" in dieser Gestaltungsarbeit; Wahrhaftigkeit und Vereinfachung benennt er als ihre Leitfäden. Doch konzentriert sich unser Seminar nicht nur auf die Prägung des Bauhauses durch ihren Gründer, sondern auch auf dessen Weiterentwicklung unter den nachfolgenden Direktoren, Hannes Meyer und Mies van der Rohe, und einem wechselnden Lehrkörper. Dabei liegt im Rahmen des Semesterthemas "Ownership & Property" ein Fokus auf der Frage, wie die jeweiligen gestalterischen und gesellschaftspolitischen Überzeugungen die Pädagogik und die Produktion der Schule wandeln und sie zwischen dem Fernziel eines Neuen Menschen und dem Nahziel einer sozial gerechteren und insgesamt im Lebensstandard verbesserten Gesellschaft positioniert.